Die Erwerbsminderungsrente vom Staat

Deutschland ist ein Sozialstaat. Neben dem reinen Kapitalismus, wie er uns beispielsweise von den USA so wunderbar vorgeführt wird, wird bei uns das System der sozialen Marktwirtschaft gepflegt. Die Erwerbsminderungsrente ist einer dieser Errungenschaften der sozialen Ausprägungen unseres Wirtschaftsystems.

Die Erwerbsminderungsrente steht jedem gesetzlich Rentenversicherten zu, der auf Dauer wegen einer Krankheit seinem Beruf nicht mehr nach gehen kann. Früher wurde sie auch Invaliditätsrente genannt. Als einzige finanzielle Vorsorge für den Fall der Berufsunfähigkeit, ist sie mittlerweile aber kaum noch geeignet. Dafür sind die Leistungen zu gering.

Neben dem Arbeitslosengeld 2 und der analogen Grundsicherung im Rentenalter ist die Erwerbsminderungsrente auch eine Leistung auf die gesetzlich Rentenversicherte zurückgreifen können. Voraussetzung ist das der oder die Betreffende keinerlei beruflicher Tätigkeit mehr nachgehen kann.

Wichtig ist hierbei die Feststellung, dass es nicht der erlernte Beruf sein muss!

Das bedeutet ein Informatiker der noch als Schreibkraft arbeiten kann, ist nicht Erwerbsunfähig. Das gilt allerdings nur für den Personenkreis der nach dem 2. Januar 1961 geboren sind. Alle Menschen die davor geboren sind gelten bereits als Erwerbsunfähig, wenn sie nur Berufsunfähig sind. Das heißt ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben können.

Einen wichtigen Vorteil gegenüber dem ALG 2 und der Grundsicherung bietet aber die Erwerbsminderungsrente dennoch. Der oder die Bezieher/in dieser Leistungen muss nicht zuerst seine/ihre gesamten Ersparnisse aufbrauchen, bevor ihm oder ihr das Geld gewährt wird. Der Anspruch auf die Leistungen wird mit den Beiträgen der gesetzlichen Rentenversicherung erworben.

Wie alle anderen Renten auch, muss die Erwerbsminderungsrente beantragt werden. Jährlich bekommen alle gesetzlich Versicherten ihre spezifischen Renteninformationen. Daraus kann man entnehmen wie viel man im Fall der Fälle bekommen würde.

Aber machen Sie sich keine Illusionen. Im Vergleich zu dem herkömmlichen Einkommen ist die Erwerbsminderungsrente wesentlich niedriger. Zudem müssen vor der Bewilligung des Antrages alle Rehabilitationsmaßnahmen fehl geschlagen sein und dem Patienten/Versicherten keine Linderung der dauerhaften Schädigung gebracht haben.

In einigen besonders schweren Fällen reicht aber auch der ärztliche Befund aus und die Deutsche Rentenversicherung bewilligt die Erwerbsminderungsrente. Das ist von Fall zu Fall mitunter verschieden

Voraussetzungen für die Leistungsbewilligung

Bevor aber die Leistungen im Rahmen der Erwerbminderungsrente überhaupt beantragt werden können, muss der Versicherte bestimmte Voraussetzungen generell erfüllen.

  • Der Versicherte muss fünf Jahre Beitrags- oder Ersatzzeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung erreicht haben.
  • Von den fünf Jahren vor der Erwerbsminderung, muss der Versicherte mindestens drei Jahr Pflichtbeitragszeiten nachwiesen können.

Genau diese Bedingungen und besonders die Letzte sind zum Teil problematisch. Durch die zweite Bedingung werden gesetzlich Versicherte ausgeschlossen, die in der Zeit vor der Erwerbsminderung keine oder nur die freiwilligen Renteversicherungsbeiträge gezahlt haben.

Auch wenn man 10 Jahre zuvor gearbeitet hat und alle Pflichtbeiträge gezahlt hat, ändert das nicht an dieser Bestimmung. Nur wenn man seine Pflichtbeiträge konsequent weiterzahlt, kommt auch in den Genuss der Erwerbsunfähigkeitsrente. Allerdings ist die Entscheidung dann auch nicht mehr umkehrbar. Einmal Pflichtbeitrag - immer Pflichtbeitrag, das verschreckt einige.

Von dieser Bedingung sind insbesondere Selbstständige betroffen, die zuvor angestellt waren und gesetzlich rentenversichert sind. Besonders für jüngere Existenzgründern ist die Festlegung auf Dauer mit den Pflichtbeiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung ein Dorn im Auge. Deswegen wird sie auch oft abgelehnt.

Hat man als junger Mensch aber noch genug Zeit anderweitig (vielleicht privat) vorzusorgen, sollten ältere Menschen sich diese Entscheidung genau überlegen. Hier kann der Schutz vor der Erwerbsunfähigkeit zum Teil sehr teuer werden und den Anspruch den man schon angesammelt hat, den bekommt man bestimmt nicht wieder.

Bewilligung der Erwerbsminderungsrente

Sind alle Bedingungen erfüllt, wird die Erwerbsminderungsrente bewilligt. Grundsätzlich wird eine Erwerbsminderungsrente, in der Hoffnung auf eine Besserung des Gesundheitszustandes, immer nur befristet bewilligt. Nur in sehr schwerwiegenden wird auch hier eine Ausnahme gemacht und die Leistung auf Dauer bewilligt.
Laufen wiederum zwei Bewilligungsfristen ab und es tritt keine Besserung des Gesundheitszustandes ein, dann wird die Erwerbsminderungsrente auf Dauer bewilligt.

Bei der Erwerbsminderungsrente unterscheidet man zwei Arten der Leistungshöhe. Einmal die halbe und die voll Rente. Anspruch auf die volle Rentenhöhe hat, wer weniger als drei Stunden am Tag arbeiten kann. Ist der oder die Versicherte hingegen in der Lage drei, aber noch weniger als sechs Tage zu arbeiten, wird nur eine halbe Rente bewilligt. Ausnahme gibt es, wenn es in dem erlernten Beruf keine Möglichkeit von Halbtagsstellen gibt oder aber der oder die Betreffende keine Anstellung findet.

Ist man als Betreffende/r in der Lage sechs Stunden zu arbeiten, gibt es keine Leistungen. Das gilt auch, wenn man keine neue Anstellung findet.

Höhe der Erwerbsminderungsrente

Die Erwerbsminderungsrente gehört zu den Varianten der Frührente und das ist häufig auch das Problem. Den größten Einfluss auf die Höhe der Rente haben nämlich die Beiträge, die dem Antragsteller angerechnet werden.

Im Gegensatz zur Altersrente fehlen dem Antragsteller so häufig die nötigen Beitragsjahre um eine entsprechend hohe Leistung, die für den Lebensunterhalt ausreicht, zu erhalten. Das weiß auch der Rententräger, darum werden die Beiträge hochgerechnet.

Dazu wird ein Durchschnittsverdienst der letzten fünf Jahre vor der Antragsstellung ermittelt und der Beitrag der sich aus diesem Verdienst ergibt, bis zum 60. Lebensjahr hochgerechnet. Dieses Prinzip hilft vor allen Dingen jüngeren Antragstellern, höhere Renten zu erlangen.

Abzüge von der Erwerbsminderungsrente

Auf die Erwerbsminderungsrente können Steuern anfallen. Zudem geht ein halber Beitrag für die Krankenversicherung des Antragstellers ab und ein voller Beitrag für die Pflegeversicherung des Betreffenden.

Steuern fallen auf die Erwerbsminderungsrente aber erst an, wenn die gesamten Einkünfte über dem steuerfreien Existenzminimum liegen. In der Regel bleiben diese Altersrenten deswegen steuerfrei. Fallen doch Steuern an, dann wurde bei einem Rentenstart vor dem Jahr 2008 54 Prozent der Rente besteuert. Und bei einem Rentenbeginn nach dem Jahr 2008 sind 56 Prozent der Rente steuerpflichtig.

Ist der Rentenempfänger bei erstmaligen Rentenbezug jünger als 60 Jahre, dann wird die Rente zudem automatisch um 10,8 Prozent gekürzt. Für Rentebezieher zählen die Monate, bis zum erreichen des 63.Lebensjahr. Bei der Erwerbsminderungsrente gilt nämlich: Pro Monat erhält man 0,3 Prozent weniger, erst bei Erreichen des 63. Lebensjahr gibt es eine ungekürzte Auszahlung.

Auswirkungen des Renteneintrittsalter mit 67 Jahren

Natürlich hinterlässt auch die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre ihre Spuren bei der Erwerbsminderungsrente. Schließlich wird die Erwerbsminderungsrente gezahlt, bis die Altersrente beginnt.

Durch die Anhebung des Rentenalters von 65 Jahren auf 67 Jahren, verschiebt sich der Beginn der Altersrente für alle Versicherten schrittweise nach hinten. Versicherte der gesetzlichen Renteversicherung die ab 1964 geboren sind haben demnach erst mit 67 Jahren Anspruch auf eine ungekürzte Altersrente.

Die ungekürzte Erwerbsminderungsrente ab 63 Jahren gibt es nach der Neureglung des Renteneintrittalters nur noch bis 31. Dezember 2011. Nach diesem Stichtag verschiebt sich auch diese Altersgrenze schrittweise nach oben. Erst erfolgt eine Anhebung des Alters in Einmonatschritten und ab 2019 dann in Zweimonatsschritten im Jahr. Demnach erhalten alle Neurentner ab 2024 erst mit 65 Jahren eine ungekürzte Erwerbsminderungsrente.